Oberbüren, Erzhiehungsanstalt Thurhof

später Schulerheim Thurhof

Kommentar

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Schülerheim Thurhof Oberbüren Kt. St.Gallen

Füher vor ca. 1963 hies das Heim «Knabenheim für Schwererziehbare» das wäre ein noch nicht aufgeführtes Heim, eine Anstallt. Ich habe viele dunkle Errinnerungen an dieses Heim.

Rudolf Bruno
12.01.2011

 

Warst Du in besagter Zeit (ca. 1963 – 1967) dort, kennst Du Schorsch ? Durftest Du auch auf dem Klavier im Besuchszimmer spielen ? Hattest Du Dein Zimmer im Haus oder über dem Stall ?
Die Welt ist kleiner als man meint, alles holt einem früher oder später ein

Poldi
07.03.2011

 

Hallo Poldi
Ich war vom Okt.1963 – April 1968 im Thurhof .
Ich war zuerst von der 4. bis 6. Klasse bei der 19er gruppe im Sonnenhüsli dann 7. + 8. Klasse im Hauptgebäude. Klavier spielen? Was war das damals und bei wem? Wer oberhalb der Stallung geschlafen hat, der gehörte zum Landwirtschaftspersonal unter dem Meisterknecht Herr Erni, der war gut. Herr Erni wohnte in einem anderen Haus an der Kreuzung zum Kloster Glattbrug, der Herr Erni hatte sehr viele Kinder: 2x Zwillinge, 1x Drillinge und dann zu guterletzt 1x Vierlinge, macht also 11 Kinder!!

Rudolf Bruno
20.05.2011

 

Hallo Rudolf Bruno
Klavier spielen? was war das damals und bei wem?
Im Eingangsbereich (wenn ich mich richtig erinnere auf der rIm Eingangsbereich (wenn ich mich richtig erinnere auf der rechten Seite) war ein grosser Raum. Dort wurden auch Besucher empfangen. Wenn Du in den Raum kamst, war zur rechten ein Klavier, jeder Gast konnte sich ausmalen, dass «in dieser Institution» auch Musik gepflegt wird (deshalb meine Frage bezüglich des Klavierspieles).

Poldi
19.06.2011

Heimzeit

Ich war auch in diesem Heim. Das war 1974-1976.
Geleitet wurde das Heim zu dieser Zeit von Pater Scheuermann. Mehrheitlich habe ich diese Zeit positiv erlebt. Das Personal war unauffällig. Wenn ich seelische Verletztungen erlebt habe, dann war das besonders von Seitens anderer Heimkinder. Pater Scheuermann war, so meine Erinnerungen, ein gerechter und netter Mensch. Von jenen Heimen und Instituten, in denen ich war, war das Schulheim Thurhof sicherlich das beste.
Sollte es jemanden geben, der auch zu dieser Zeit im Thurhof war, so wäre es schön, wenn Du Dich melden würdest.

Tramp
23.05.2013

Thurhof 59 bis 63

Ich war von 1959 bis 1963 im Schülerheim Thurhof und besuchte extern in Niederuzwil die Sekundarschule. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich jemand melden würde, welcher auch in dieser Zeit mit mir im Thurhof war.
Liebe Grüsse Erwin Wymann
Email: interver2000@bluewin.ch

Scheuermann
28.11.2013

Wenig gute Erinnerungen.. Juni 1969 - Februar 1972

Ich mag es jedem gönnen der gute Erinnerungen an dieses Heim hat. Meine sind sehr, sehr schlecht. Man soll ja über Tote nicht schlecht reden nur leider kann ich über Pater Scheuermann auch nicht gut reden. Ich wurde mehrere Male auf das heftigste von ihm, z.B. mit Ledergurt durchgeprügelt. In den Akten ist vermerkt das er meinen Amtsvormund sogar darum bat mich über’s Knie legen zu dürfen und mir 3 – 5 Schläge zu verpassen. Seine Anweisung die Hosen dazu runterzulassen und mich auf einen Stuhl zu legen, seine Drohung wenn ich Weine setze es noch mehr Schläge denn ein Mann weine nicht, waren mir bis weit ins Erwachsenenalter eine sehr grosse Pein. Sein Spruch er würde dies nur zu meinem Wohle und aus Liebe tun, es würde ihm mehr weh tun als mir, aber bei meiner Abstammung, den der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, sei dies leider notwendig. Ich hätte ihn damals gedanklich mehrmals getötet dafür. Fräulen Rösli, die Gruppenmutter, trug mit ihrem Erziehungsstiel leider auch nicht zu meinem Wohlergehen bei. Und dann gab es da noch den Lehrer Pater Berlinger, er verteilte Kopfnüsse das ich und andere Beulen hatten, mit diesen war er sehr grosszügig, auch etliche Holzlineale wurden auf meinen Händen durch ihn mit draufschlagen zerbrochen.

Die guten Erinnerungen betreffen das Singen im Chor, Pater Egli mit seiner, ich meine, Colihündin und das Schwimmbad. Gewohnt habe ich in dem länglichen Gebäude an der Strasse, geprügelt und eingespart wurde ich jeweils im Hauptgebäude, ein grosses Steingebäude. Ein Zitat aus dem Inspektionsbericht vom 30.10.69 «Nachdem Jürg weggelaufen war holt ihn am Sonntag Pater Direktor dann bei den Leuten ab. Sie wollten ihn am liebsten behalten. Es gelang ihm an das Mitleid dieser Leute zu appellieren. Als sie jedoch am andern Tag genaues über erführen über Jürg, wollten sie nichts mehr davon wissen. Der Direktor versuchte Jürg klar zu machen, was das Leben in einer Familie an Rücksicht und Willen braucht und er ja in allen bisherigen Versuchen versagt habe». Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen nicht wahnsinnig motivierend für ein Kind irgend etwas zu ändern!

jubel
25.01.2016

 

Hallo Jubel
Da wird dir wohl während dieser Zeit das Jubeln vergangen sein. Wir haben uns verpasst. Du bist eingetreten als ich rausgekommen bin. Deine Ressentiments gegen Frl. Rösli kann ich nur allzugut verstehen. Sie kam, so glaube ich Ende 68 oder Anfang 69 in den Thurhof. Vor ihr war ganz kurz noch ein anderes Fräulein dort. Ihr Name ist mir entfallen. Vor ihr war Frl. Isabel. Sie war das Gegenteil von Frl. Rösli. Die Beweggründe ihres Abganges kenne ich nicht. Kann mir aber gut vorstellen, dass Sie mit den Bestrafungsaktionen der Patres nicht zurecht kam. Wenn du mit Frl. Rösli zu tun hattest, warst Du bei den Siebenstüblern. Nebenan bei den 19ern, war Frl. Bieri. Wenigstens zu meiner Zeit. Frl. Rösli war noch nicht lange bei uns, als mein Zimmerkumpel, mit dem Besteckmesser auf Sie los ging. Du kannst Dir ja vorstellen, wie er nach den Sanktionen der Patres ausgesehen hat. Berlinger und Egli müssen demnach nachher gekommen sein. Unsere Peiniger neben Schürmann hiessen Breu und Zuber. Zuber war fürs Turnen und Sport zuständig. Seine Spezialität war dir auf den Fuss zu stehen dass Du weder vor noch zurück konntest, dann hob er dein Kinn an und verabreichte eine Ohrfeige. Dann wieder Kinn anheben und weiter mit Ohrfeigen. Breu aber war ein Klassik Liebhaber und verteufelte Beat Rock und sonstiges modernes Geschrei. Die Singstunden waren nur mit grosser Angst zu überstehen. Wir mussten im Halbkreis um das Klavier stehen. Auf dem Klavier war, der von uns verhasste Plastikteppichklopfer. Wenn Du falsch gesungen hast, und er es bemerkte, bekamst Du den Stiel vom Teppichklopfer auf den Kopf, bis der Schädel voller Beulen war. Auch sonst hatte er ausgereifte Techniken auf Lager. Als ich letzthin seinen Nachruf im Netz gelesen habe, kam mir das Kotzen. Wie sehr er sich doch in der Jugendarbeit verdient gemacht hätte und wie er die Zöglinge mit Liebe auf den rechten Weg gebracht habe.
Nach meiner Entlassung hab ich nie wieder von einem der Insassen etwas gehört. Dein Bericht war für mich wie ein Echo aus ferner dunkler Zeit. Würde gerne von Dir erfahren wie es Dir nach dem Heim ergangen ist. Ich habe viele Jahre gebraucht um darüber wegzukommen. Vieleicht hast Du Lust mir zu schreiben.
E-Mail whonose@gmx.ch
Dein Leidensgenosse Reto Kuster

reto
11.03.2016

Positive Erinnerungen

Hallo
Ich war ca. 1976-1979 im Schülerheim Thurhof. Für mich eine durchaus positive Erfahrung. Ich besuchte die Sekundarschule Sproochbrugg in Zuckenriet wo ich auch als Heimkind recht gut integriert war. Den Schulweg machte ich mit dem Velo. Ich und meine Kollegen machten uns jeweils einen Spass daraus, uns auf dem sehr steilen Klosterstich am Milch-Lastwagen hinten anzuhängen und hochziehen zu lassen. Wenn es der Fahrer bemerkte gabs eine Standpauke der anständigen und verständlichen Art von Pater Scheuermann. Im Heim selber sorgte der beliebte und respektierte Pater Scheuermann mit seiner natürlichen Autorität und wohlwollenden Erziehungsmethoden dafür, dass ich einiges fürs Leben mitbekam. Wir durften (mussten nicht) in der kleinen Kapelle seinen Worten bei den Sonntagspredigten lauschen und singen. Er verstand es, ohne aufdringlich zu sein, uns für die wichtigen Dinge im Leben zu interessieren. Gerne erinnere ich mich an die Fussballspiele auf dem eigenen Platz. Ich durfte Torwart sein weil ich körperlich nicht soo fit sein wollte 😉 Ich erinnere mich gerne an das schöne Zweierzimmer, welches ich mit einem Jungen italienischer Abstammung teilte. Da hatte ich eine tolle Aussicht auf die Thur. Die Zimmer hatten alle einen Lautsprecher. Pater Scheuermann konnte uns über ebendiese zu sich ins Büro rufen oder andere Durchsagen machen. Wenn wir brav waren, was ja meistens der Fall war, liess Pater Scheuermann abends zum Einschlafen jeweils das Wunschkonzert oder ähnliches auf Radio DRS1 erklingen. Vor dem Lichter löschen kam der Pater immer in jedes Zimmer, deutete mit seinem Daumen ein Kreuz auf unsere Stirn, segnete uns und wünschte uns eine gute Nacht Ohne aufdringlich zu sein gab er so jedem von uns das Gefühl, dass er für uns da war. Das war er natürlich auch, wenn wir wieder einmal nicht Ruhe gaben. 😆 Umgekehrt durfte man immer an seine Tür klopfen und er hatte Zeit. Im Esszimmer durften wir manchmal fernsehen nach dem Essen. Wenn eine Serie wie “Rauchende Colts” gesendet wurde (Pater Scheuermann mochte diese auch) waren wir immer sehr pünktlich fertig mit dem Abendessen. 😉

Zu besonderen Anlässen wurde ein Film in der Turnhalle gezeigt. Gewalt unter den Jungen gab es eigentlich keine. Wenn es Konflikte gab und der Pater davon erfuhr, suchte er immer das Gespräch mit allen Beteiligten. Ein Einzelgespräch bei ihm im Büro war immer auch eine gute Gelegenheit um über Sorgen und Ängste zu sprechen. Er hatte immer ein offenes Ohr und sehr viel Verständnis. Einzig anlügen durfte man ihn nicht. Wenn er dahinter kam wurde seine Stimme schon etwas lauter. Aber ich hatte immer das Gefühl, dass er es sehr gut mit uns meinte. Wenn mal am Morgen das Velo einen Platten hatte nahm der Pater schon ausnahmsweise mal seinen geliebten orangen Opel Kadett und fuhr uns zur Schule. Ein tolles Gefühl! Daher hatte mein Velo oft einen Platten. 😆 Das übrige Personal war sosolala. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass kein wirkliches Interesse da war. Als ich mich einmal an eine weibliche Erzieherin wandte weil ich Probleme mit einem anderen Jungen hatte, meinte sie nur: “Selber schuld, das musst du jetzt alleine regeln”. Die Erzieher/Innen, so mein Eindruck, waren vor allem mit sich selber beschäftigt und froh, wenn wir Jungen uns auch selber beschäftigten.

An meinem letzten Tag verabschiedete ich mich von Pater Scheuermann mit Tränen in den Augen. Ich werde diese kurze Zeit in diesem (für mich) heimeligen Gebäude nie vergessen. Manche Dummheit wurde mir verziehen, ich bekam wieder ein Chance. Irgendwann einmal im Leben, einige Jahre nach dem Thurhof erst, begann ich diese auch zu nutzen. Später, als das schöne Haus zur Asylunterkunft abgeändert wurde, besuchte ich den Ort mit meiner Frau. Ich war ehrlich gesagt geschockt und traurig, dass gerade dieses Haus kein Schülerheim mehr war. Tja die Dinge ändern sich. Auch ich habe mich geändert. Ich danke Pater Scheuermann und bin froh, dass dieses Heim mir damals das geben konnte was ich brauchte.

Georges
07.05.2013

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