Kommentar
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Aufenthalt im Kinderheim Flueblüemli 1959 und 1961
Meine Mutter war in Zürich im Spital mit einer Psittakose. Die Schwestern, die dort arbeiteten, gehörten zu der gleichen Schwesternschaft wie die in Braunwald. Von diesen wurde meinen Eltern das Flueblüemli für meinen ersten notwendigen Aufenthalt empfohlen.
Ich war als Kind zweimal im Kinderheim Flueblüemli in Braunwald zur Erholung (Schatten auf der Lunge, Psittakose). Einmal in der 3. Klasse (1959) für 6 Monate und einmal in der 5. Klasse (1961) für 6 Wochen.
Im ersten Monat des 6-monatigen Aufenthaltes durfte ich nur alleine auf der Terrasse liegen, während die anderen Kinder draussen im Schnee spielten. Mit mir sprechen oder spielen durften sie nicht.
Ich habe miterlebt, wie ein Knabe (den Vornamen weiss ich noch) fürs Bettnässen bestraft wurde.
Ich habe im gleichen Zimmer im Bett nebenan geschlafen.
Bei beiden Aufenthalten bin ich in Braunwald zur Schule gegangen. Da der Schulweg lange war, mussten der Knabe und ich vor den anderen Kindern frühstücken. Meistens gab es Haferbrei.
Der Knabe hat nach dem Brei essen diesen wieder erbrochen. Diesen erbrochenen Brei musste er wieder essen. Es war einfach widerlich. Und dies fast jeden Morgen.
Wenn ich weinte, weil ich Heimweh hatte, wurde ich bestraft mit Essensentzug, Spielverbot, das wöchentliche Telefongespräch mit den Eltern wurde gestrichen und die Briefe der Familie zurückgehalten.
Herzlichkeit bekam man in diesem Heim sehr selten. Es gab eine Schwester, die manchmal, wenn keine andere Schwester anwesend war, ein wenig mehr Herzlichkeit zeigte.
Meine Eltern leben nicht mehr. Ich bin froh, dass sie diesen Bericht nicht mehr sehen konnten. Sie hätten sich sicher Vorwürfe gemacht, weil sie meinen Erzählungen damals nicht geglaubt hatten.
In einem Haus, das von christlichen Schwestern geführt wurde, konnte sowas sicher nicht sein.
Ich habe diese Erlebnisse bisher immer verdrängt. Jetzt werde ich, obwohl ich schon 75 bin, diese Zeit noch verarbeiten müssen.
Die Schulzeit in Braunwald habe ich in sehr guter Erinnerung. Obwohl es für mich neu war, mit mehreren Altersstufen in der gleichen Klasse zu sitzen.
Bea S.
20.05.2025